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Tiergesundheit

Tiergesundheit bedeutet nicht allein die Freiheit von Krankheiten, sie ist auch ein wesentlicher Bestandteil für die öffentliche Gesundheit, den Verbraucherschutz und die Lebensmittelsicherheit. Gesunde Tiere bilden die Basis für die Erzeugung gesunder und sicherer Nahrungsmittel tierischer Herkunft. Der Freistaat Bayern sieht in der Gesunderhaltung landwirtschaftlicher Nutztiere eine wichtige Aufgabe. Die bayerische Tiergesundheitspolitik findet ihre Parallele in der Politik der EU-Kommission und des Bundes.

Die zuverlässige Erfassung von Informationen über den Gesundheitsstatus der Tiere und der Austausch dieser Daten zwischen den verschiedenen Stufen der Veredelungskette gewinnen sowohl in Bezug auf die Lebensmittelsicherheit als auch im Zusammenhang mit der Verbesserung der Tiergesundheit und dem vorbeugenden Schutz vor der Ein- bzw. Verschleppung hochansteckender Tierseuchen immer mehr an Bedeutung.

Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung

Mit der 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes (AMG) wurde ein bundesweites System zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes bei Masttieren (Rind, Schwein, Huhn, Pute) ab einer bestimmten Bestandsgröße eingeführt. Durch Benchmarking soll eine Verbesserung der Tiergesundheit und damit verbunden, eine Verringerung des Antibiotikaeinsatzes erreicht werden. Betriebe, die deutlich mehr Antibiotika anwenden als Vergleichsbetriebe, müssen Maßnahmen ergreifen, um den Einsatz zu reduzieren.

In Deutschland hat sich die Gesamtmenge der von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte abgegebenen Menge an Antibiotika zwischen den Jahren 2011 und 2016 von 1 706 Tonnen auf 742 Tonnen mehr als halbiert. Antibiotikaresistenzen sind ein natürlicher Teil der Umwelt. Sie entwickeln sich im Wechselspiel von genetischen Ereignissen. Durch einen reduzierten Antibiotikaeinsatz soll das Risiko der Entstehung und der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen verringert werden. Dieses globale Problem muss im Sinne eines „One Health“-Ansatzes durch das Zusammenwirken von Human- und Veterinärmedizin angegangen werden.

Gesundheitsmonitoring beim Rind

Auf Initiative des StMELF und der Bayerischen Landestierärztekammer wurde im September 2009 das Projekt „Pro Gesund“ ins Leben gerufen. Ziel des Projektes ist es, die Gesundheit und Langlebigkeit der Rinder durch die Erhebung und Analyse von Krankheitsdiagnosen und gesundheitsrelevanten Beobachtungen zu verbessern. Die Teilnahme beruht auf einer freiwilligen Erklärung von Landwirt und Tierarzt. Die erhobenen Daten werden in einer zentralen Datenbank gespeichert und können vom Landwirt und von seinem betreuenden Tierarzt in speziellen Online-Anwendungen ausgewertet werden. Damit ist es z. B. möglich, Schwachstellen der eigenen Herde im Gesundheitsbereich frühzeitig zu erkennen, präventive Maßnahmen bei absehbaren Problemen einzuleiten oder im Rahmen der tierärztlichen Bestandsbetreuung effektive Strategien zur Verbesserung der Gesundheit zu entwickeln. Derzeit nehmen an Pro Gesund 155 Tierärzte und 2 768 Landwirte teil.

Afrikanische Schweinepest (ASP)

Die ASP kommt in vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara sowie auf Sardinien endemisch vor. Seit Anfang 2014 sind auch die baltischen EU-Mitgliedstaaten und Polen von der ASP betroffen. Die Seuche breitet sich seither weiter aus. Der überraschende Nachweis der ASP im Sommer 2017 bei Wildschweinen in Tschechien und kurze Zeit später bei Hausschweinen in Rumänien hat gezeigt, dass eine sprungartige Seuchenverschleppung durch viruskontaminierte Lebensmittel oder Gegenstände jederzeit Realität werden kann. Ende 2017 wurden in Polen weitere Seuchenherde festgestellt: einer in der Nähe von Warschau und einer im Grenzgebiet zwischen Polen und dem Oblast Kaliningrad. Ein Auftreten der Seuche erscheint jederzeit überall in Bayern möglich.

Im Rahmen der Prävention wurden in Zusammenarbeit mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) die Verbände und landwirtschaftlichen Betriebe sensibilisiert und ihnen Schutzmaßnahmen aufgezeigt. Bereits im Jahr 2015 wurde das „Maßnahmenpaket zur nachhaltigen Reduktion von Schwarzwild“ veröffentlicht, mit dem die Beteiligten vor Ort weitreichende Spielräume für regionalspezifische Lösungen eröffnet bekamen. Der Ministerrat hat im Dezember 2017 der Schaffung eines finanziellen Anreizsystems zur Reduktion der Wildschweinedichte in Bayern zugestimmt.

Geflügelpest (Hochpathogene aviäre Influenza, HPAI)

Der Gesetzgeber sieht sowohl im Falle von Geflügelpest (hochpathogener aviärer Influenza) als auch im Falle niedrigpathogener aviärer Influenza die Tötung und anschließende unschädliche Beseitigung der Tiere vor. Im Winter 2016/Frühjahr 2017 kam es europaweit zu einem Ausbruch der HPAI vom Subtyp H5N8. Die Ausbreitung der Infektion erfolgte mit großer Dynamik und erreichte ein nie zuvor gekanntes Ausmaß. Im Zeitraum November 2016 bis April 2017 wurde HPAI 150-mal in Bayern in knapp 50 Landkreisen und 10 Städten nachgewiesen1).

Als Schutzmaßnahmen wurde eine bayernweite Stallpflicht für Haus- und Nutzgeflügel sowie ein Verbot für Ausstellungen und Märkte mit Geflügel erlassen. Die Dauer der Aufstallungspflicht erstreckte sich in vielen Fällen über einen Zeitraum von mehr als 12 Wochen. Dies führte dazu, dass Eier aus Freilandhaltung nach dieser Frist aufgrund von Vorgaben im EU-Marktordnungsrecht nicht mehr als Freilandeier vermarktet werden durften, mit entsprechenden finanziellen Einbußen für die Betriebe. Mit den Auswirkungen der Stallpflicht hatten kleinere Legehennenhalter ohne Packstelle, Hobby- und Rassegeflügelhalter sowie die Halter von Wassergeflügel besonders zu kämpfen.

Blauzungenkrankheit (BT)

Bei der BT handelt es sich um eine für den Menschen ungefährliche anzeigepflichtige Viruserkrankung der Wiederkäuer, die durch stechende Insekten übertragen wird.
Der letzte Nachweis des BT-Virus in Bayern war am 15. Mai 2009. Mit Wirkung vom 15. Februar 2012 hat sich Deutschland als BT-frei erklärt. Die Impfung gegen BT war zeitweise verboten. Seit 2016 sind freiwillige Impfungen mit Genehmigung der zuständigen Behörde (Veterinäramt) möglich.

Bovines Herpesvirus Typ 1 (BHV-1)

BHV-1 ist eine anzeigepflichtige Viruserkrankung bei Rindern, die hochansteckend ist und verschiedene Symptome auslösen kann. Einmal infizierte Tiere bleiben lebenslang latent infiziert. Sie können Virus produzieren und ausscheiden, ohne dass typische Krankheitsanzeichen festzustellen sind.

BHV-1 wird seit vielen Jahren staatlich bekämpft. Seit 12. Oktober 2011 ist ganz Bayern als BHV-1-freie Region gemäß Artikel 10 der Richtlinie 64/432/EWG anerkannt. Auch wenn die Seuche in Einzelfällen immer wieder festgestellt wird, ist seit Juni 2017 ganz Deutschland anerkannt BHV-1-frei.

1) Quelle: TierSeuchenInformationsSystem (TSIS).