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http://www.agrarbericht-2018.bayern.de/landwirtschaft-laendliche-entwicklung/naturschutz-und-biodiversitaet.html

Naturschutz und Biodiversität

Naturschutz und Biodiversität sowie die Wildlebensraumverbesserung wurden in der bayerischen Förderpolitik weiter ausgebaut, etwa im Bereich der flächigen Umsetzung naturverträglicher und klimaangepasster Landnutzungen, durch kleinräumige und punktuelle naturschutzfachliche Maßnahmen und die Schaffung einer breit angelegten staatlichen Wildlebensraumberatung.

In Mitteleuropa gehören die meisten naturschutzfachlich wertvollen Lebensräume zur Kulturlandschaft. Ihre Ausprägung erhielten sie erst durch eine meist extensive Bewirtschaftung. Insofern sind heute viele Landwirte nicht nur willkommene, sondern auch unverzichtbare Partner, wenn es darum geht, kulturlandschaftlich geprägte Lebensräume durch eine pflegerische Nutzung zu erhalten.

Als wesentliche Ursachen für den Rückgang der Artenvielfalt nennt der Fortschrittsbericht zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie

  • die Zerschneidung und Zersiedelung der Landschaft,
  • die Versiegelung von Flächen und den Verlust von naturnahen Flächen,
  • Stoffeinträge aus der Atmosphäre und die Veränderung des Klimas,
  • die gestiegene Freizeitnutzung der Landschaft und
  • die intensive land- und forstwirtschaftliche Nutzung von Flächen.

Der Farmland-Bird-Index bezieht zehn Vogelarten (Rebhuhn, Kiebitz, Rauchschwalbe, Feldlerche, Wiesenschafstelze, Wiesenpieper, Braunkehlchen, Neuntöter, Goldammer und Bluthänfling) ein, die spezifisch dem Lebensraumtyp „Agrarland“ zugeordnet werden können. Die Bestände dieser charakteristischer Vogelarten sind in den vergangenen 40 Jahren deutlich zurückgegangen. Erst in den letzten rd. 15 Jahren deutet sich eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau an. Eine Trendumkehr ist jedoch nicht erkennbar.

Farmland-Bird-Index Bayern (100-%-normiert auf BJ 2000) – Schaubild 31 in höherer Auflösung

 

Förderprogramme

Die nachfolgend genannten Förderprogramme sind wirkungsvolle Instrumente, um der Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung entgegenzuwirken:

Im Rahmen des Bayerischen Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) im Verantwortungsbereich des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) werden gesamtbetriebliche Maßnahmen wie der ökologische Landbau, betriebszweigbezogene Extensivierungen und Fruchtfolgevorgaben sowie einzelflächenbezogene Maßnahmen angeboten. Dort fließen bisher fast 60 Mio. € pro Jahr in Bewirtschaftungsmaßnahmen mit Vorgaben für mehr Biodiversität. Rd. 360 000 ha werden bislang entsprechend extensiv bewirtschaftet. Rechnet man den Ökolandbau dazu, sind es mehr als 600 000 ha.

Mit dem Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm fördert das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz den Erhalt ökologisch wertvoller Lebensräume. 85 000 ha Wiesen, Weiden , Äcker und Teiche werden nach den Vorgaben des Vertragsnaturschutzes bewirtschaftet, hierfür wendet das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz jährlich 45 Mio. € auf (Stand 2017). Der Schwerpunkt der Maßnahmen wird auf ökologisch wertvollem Grünland abgeschlossen.

Zudem werden im Rahmen der Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinien (LNPR) insbesondere Maßnahmen der Pflege, Wiederherstellung und Neuschaffung ökologisch wertvoller Lebensräume gefördert. Die Maßnahmen dienen insbesondere dem Aufbau des europäischen Schutzsystems Natura 2000 und des bayerischen Biotopverbunds BayernNetzNatur sowie der Umsetzung der bayerischen Biodiversitätsstrategie.

Wettbewerb Naturschutzpartner Landwirt

Im Juni 2018 hat das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz zusammen mit dem Bayerischen Bauernverband 21 Betriebe im Rahmen des Wettbewerbs Naturschutzpartner Landwirt für ihr besonderes Engagement für die Pflege unserer Natur- und Kulturlandschaften, den Erhalt von heimischen Pflanzen- und Tierarten bzw. alter Sorten und Rassen ausgezeichnet.

Imker

Die Honigbiene leistet einen überaus wichtigen Beitrag zur Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen und damit zur Biodiversität. Deswegen werden die bayerischen Imker durch eine flächendeckende Beratung und eine unabhängige Forschung unterstützt. Die staatliche Förderung zur Bienenhaltung steigt kontinuierlich von Jahr zu Jahr an. Im Jahr 2017 wurden die Mittel noch einmal um 20 % aufgestockt auf 1,2 Mio. €.

Darüber hinaus führt die Bayer. Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zur Erhaltung der Biodiversität in der Agrarlandschaft u. a. folgende Aktivitäten durch:

Wildlebensraumberatung

Mit der Wildlebensraumberatung beschreitet Bayern seit dem Jahr 2015 einen neuen Weg. In jedem Regierungsbezirk steht ein Wildlebensraumberater als Ansprechpartner bereit. Angegliedert sind die Wildlebensraumberater an die Fachzentren für Agrarökologie der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF). Die fachliche Koordination, Schulung und Evaluation der Wildlebensraumberatung obliegt der LfL, Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz. Kein anderes Bundesland verfügt derzeit über diese Form der Beratungsstruktur. Ziel der Wildlebensraumberatung ist die Förderung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft durch fachpraktische Beratung von Landwirten, Jägern, Jagdgenossen, Gemeinde- und Naturschutzvertretern. Durch gemeinsames Handeln lassen sich wertvolle Lebensräume entwickeln. Diese bieten z. B. Feldhase, Rebhuhn und Goldammer sowie zahlreichen blütenbestäubenden Insekten wertvolle Nahrungs- und Rückzugsräume. Die Wildlebensraumberater geben allen Interessierten fachgerechte Informationen zu lebensraumverbessernden Maßnahmen im Rahmen des KULAP, des Greening sowie zu Maßnahmen außerhalb von Förderprogrammen.

Förderung des Streuobstanbaus

Streuobstwiesen sind Lebensraum für wertvolle Tier- und Pflanzenarten. Die Vielzahl der Obstsorten ist ein unschätzbares Reservoir genetischer Vielfalt. Das StMELF fördert den Streuobstanbau in Bayern, z. B. durch

  • Erhalt und Neuanlage von Streuobstbeständen durch das KULAP,
  • Neuschaffung von Streuobstwiesen auf der Grundlage eines landschaftsplanerischen Konzepts im Rahmen der Flurneuordnung,
  • Unterstützung von Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von Streuobst und daraus hergestellten Produkten über die Einzelbetriebliche Investitionsförderung, über die Marktstrukturförderung und über die Förderung von Maßnahmen zur Stärkung der Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse,
  • Fachinformationen, z. B. zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Streuobstbaus sowie neue Apfelsorten,
  • Projekte, z. B. Aktion Streuobst im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Vermarktung oder Bayerns Streuobstsorten zur Erfassung der in Bayern vorkommenden Sorten,
  • Förderung von Edelbrennereien durch die Diversifizierungsförderung.

Grünlandmonitoring

Mit dem Projekt Grünlandmonitoring Bayern wird eine flächendeckende und detaillierte Datenbasis zur bayerischen Grünlandvegetation geschaffen. Daraus geht u. a. hervor, dass auf unseren Wiesen durchschnittlich ca. 20 Pflanzenarten (pro 25 m2) gefunden werden können. Außerdem wurde ermittelt, dass auf Grünlandschlägen mit KULAP-Maßnahmen sowie insbesondere mit VNP-Maßnahmen höhere Artenzahlen auftreten als auf Schlägen außerhalb dieser Programme. Der zweite Erhebungsdurchgang zeigte, dass die Artenzahlen nochmals zunehmen, wenn die Maßnahmen über mehr als eine Förderperiode beibehalten werden. Derzeit läuft das Projekt im dritten Monitoring-Durchgang.

Wiesenmeisterschaften

Die Wiesenmeisterschaft ist ein von der LfL und dem BUND Naturschutz in Bayern e. V. durchgeführter Wettbewerb, der die Leistungen und das Engagement der Landwirte für die Erhaltung artenreichen Wirtschaftsgrünlandes auszeichnet und einer breiten Öffentlichkeit vorstellt. Wichtig dabei ist es, Landwirte zu prämieren, die den Aufwuchs arten- und blütenreicher Wiesen im eigenen Betrieb nutzen. Sie erbringen eine besonders wertvolle Leistung für die Allgemeinheit und gestalten so eine attraktive Kulturlandschaft mit.

Im Jahr 2016 wurde die Wiesenmeisterschaft im westlichen Mittelfranken (Landkreise Neustadt a.d.Aisch, Ansbach und Weißenburg/Gunzenhausen), im Jahr 2017 in Oberbayern (Landkreise Miesbach und München) durchgeführt. Mit deutlich gestiegenen Anmeldezahlen von 120 bzw. 31 teilnehmenden landwirtschaftlichen Betrieben konnte die Öffentlichkeitswirksamkeit in den beiden Jahren nochmals verstärkt werden. Für das Jahr 2018 ist die nächste Wiesenmeisterschaft im Donau-Isar-Hügelland geplant.
Im Jahr 2016 hat die LfL zusammen mit dem BUND Naturschutz in Bayern e. V. die Broschüre „Bayerische Wiesenmeisterschaften Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand“ über sieben Jahre erfolgreiche Wiesenmeisterschaft herausgegeben.

Ackerwildkraut-Wettbewerb

Im Jahr 2016 fand der von LfL und BUND Naturschutz in Bayern e. V. zum zweiten Mal organisierte Wettbewerb „Blühende Ackerwildkräuter“ in der Oberpfalz statt. Der dritte Wettbewerb ist für 2018 in Niederbayern geplant.