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http://www.agrarbericht-2018.bayern.de/landwirtschaft-laendliche-entwicklung/gewaesserschutz.html

Gewässerschutz

Grundwasser und Oberflächengewässer sind wichtige Bestandteile des Naturhaushaltes. Ihr Schutz ist unverzichtbar und sichert das Anrecht der Bevölkerung auf sauberes Trinkwasser.

Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)

Hauptanliegen der WRRL ist ein einheitlicher Gewässerschutz in Europa auf hohem Niveau. Der gute Zustand der Gewässer soll erreicht oder erhalten werden. Die Beurteilung des jeweiligen Gewässerzustandes beruht dabei auf Bewertungsverfahren, die hinsichtlich ihrer Ergebnisse in Europa unter den Mitgliedstaaten abgeglichen wurden. Die Umsetzung der WRRL folgt einem sechsjährigen Zyklus. Die ersten Bewirtschaftungspläne aus dem Jahr 2009 wurden überarbeitet, die aktualisierten Pläne und Programme im Dezember 2015 in Kraft gesetzt.

Die für die neue Bewirtschaftungsperiode (2016 bis 2021) fortgeschriebenen Bewirtschaftungspläne enthalten neben einer aktualisierten Bestandsaufnahme und Risikoanalyse zur Zielerreichung insbesondere den jeweils aktuellen Zustand (ökologisch, chemisch, mengenmäßig) der einzelnen Wasserkörper. Die zweiten Bewirtschaftungspläne gelten bis 2021 als Richtschnur des wasserwirtschaftlichen Handelns. Jeder Bewirtschaftungsplan muss entsprechend der WRRL „grundlegende Maßnahmen“ enthalten. Diese sind unabhängig vom Gewässerzustand zu erfüllende gesetzliche Anforderungen wie die Düngeverordnung oder das Pflanzenschutzrecht. Für Gebiete mit hohen Anteilen an Nähr- und Schadstoffeinträgen aus der Landwirtschaft werden in den Maßnahmenprogrammen ergänzende Maßnahmen vorgeschlagen. Die ergänzenden Maßnahmen im Bereich der Landwirtschaft erfolgen bisher ausschließlich auf freiwilliger Basis.

Bei der Fortschreibung der Bewirtschaftungspläne wurde der Zuschnitt der Grundwasserkörper (GWK) an die hydrogeologischen Gegebenheiten angepasst. Die Zahl der GWK erhöhte sich dadurch von 69 auf 257. Die Aufstellung der ersten Bewirtschaftungspläne orientierte sich noch an den oberirdischen Einzugsgebieten. Nach den Ergebnissen der aktuellen Gewässerzustandsbeurteilung befinden sich in Bayern insgesamt 75 % der GWK in gutem Zustand. Die Defizite betreffen ausschließlich den chemischen Zustand. Der gute mengenmäßige Zustand ist in allen GWK erreicht. 81 % der GWK erreichen den guten Zustand im Hinblick auf Nitrat.

87 % der GWK erreichen den guten Zustand in Bezug auf Pflanzenschutzmittel. Bei dem hauptsächlich relevanten Pflanzenschutzmittelwirkstoff Atrazin und seinem Metaboliten Desethylatrazin ist mit dem Verbot von Atrazin bereits die strengste Abhilfemaßnahme getroffen worden. Ein Rückgang der Belastungen durch diese Wirkstoffe sowie deren Abbauprodukte im Grundwasser ist daher langfristig zu erwarten.

In Trinkwasserschutzgebieten und Einzugsgebieten von Wasserversorgungen sowie in grundwassersensiblen Regionen wird von der staatlichen Beratung ein freiwilliger Verzicht auf den Einsatz von versickerungsgefährdeten Pflanzenschutz-Wirkstoffen, wie etwa Chloridazon, Chlortuluron, Bentazon, Metazachlor, S-Metolachlor oder Terbuthylazin, empfohlen. Das Beratungsprogramm zum Verzicht auf den Einsatz von Terbuthylazin auf Standorten des Jura-Karst bei der Unkrautbekämpfung im Maisanbau wurde durch die Verzichtsempfehlung auf allen sorptionsschwachen Flächen ausgeweitet. In Abstimmung zwischen Landwirtschafts- und Umweltverwaltung wurde eine Gebietskulisse für den Jura-Karst bis auf die Maßstabsebene der Gemarkungen festgelegt. Das für den gesamten Bereich des Jura-Karst vorhandene Kartenmaterial ist die Basis für die Beratung und steht neben den amtlichen Stellen auch der Privatberatung von Industrie und Handel und den Landwirten als Online-Angebot zur Verfügung.

Auch der Zuschnitt der Oberflächenwasserkörper (OWK) wurde bei der Überprüfung und Fortschreibung der Bewirtschaftungspläne in 2015 gegenüber der Erstausweisung geändert. In Bayern sind nun 961 berichtspflichtige OWK ausgewiesen, davon 913 Flusswasserkörper und 48 Seewasserkörper. Bis zum Jahr 2015 erreichten nur 15 % der Flusswasserkörper den guten ökologischen Zustand bzw. das gute ökologische Potenzial. Bei Seewasserkörpern waren es 56 %. Zur Verbesserung des ökologischen Zustandes sind insbesondere Maßnahmen zur Verringerung von stofflichen Einträgen in die Gewässer (Nährstoffe, Pflanzenschutzmittel, Bodenpartikel) sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Struktur und Durchgängigkeit erforderlich.

Wasserpakt Bayern

Um den Gewässer- und Bodenschutz in Bayern voranzubringen, haben das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) sowie das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) am 22. März 2017 zusammen mit den Landwirten, Wasserversorgern, Verbänden und Institutionen einen Wasserpakt geschlossen. Er enthält konkrete Vereinbarungen und Selbstverpflichtungen der inzwischen 15 Paktpartner, um auf freiwilliger Basis, ergänzend zu den gesetzlichen Vorgaben, schneller eine Verbesserung des Zustandes der bayerischen Gewässer nach der WRRL zu erreichen. Ziel ist, die Stoffeinträge in Oberflächengewässer, vor allem Nitrat und Phosphor, zu minimieren. Für Gebiete mit hohen Anteilen an Nähr- und Schadstoffeinträgen aus der Landwirtschaft werden in den Maßnahmenprogrammen ergänzende Maßnahmen genannt. Das Landwirtschaftsressort hat ein Zehn-Punkte-Programm auf den Weg gebracht und u. a. die Zahl der Wasserberater/innen verdoppelt und ein flächendeckendes Netz von inzwischen 95 Demonstrationsbetrieben mit beispielhafter gewässerschonender Bewirtschaftung eingerichtet. Die Forschung zur Verbesserung der Gülleausbringung, der Mulchsaat- bzw. Direktsaattechnik, des Erosionsschutzes und zur Reduzierung des Stickstoffdünger-Einsatzes wurde intensiviert. Die ergänzenden Maßnahmen im Bereich der Landwirtschaft erfolgen derzeit auf freiwilliger Basis. Ebenso wurde der Lehrplan des Unterrichtsfaches „Pflanzliche Produktion und Vermarktung“ der Landwirtschaftsschulen, Abteilung Landwirtschaft, noch stärker auf den Wasser- und Bodenschutz hin ausgerichtet und der Anbau alternativer Energiepflanzen wie der „Durchwachsenen Silphie“ intensiviert.

Beratung

Einer der wichtigsten Faktoren für die Umsetzung der ergänzenden Maßnahmen gemäß WRRL ist die Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe in den Maßnahmengebieten. Die regionalspezifischen Anforderungen der ergänzenden Maßnahmen der WRRL müssen mit dem umfangreichen Angebot und den Bestimmungen der Fördermaßnahmen (Greening der EU-Direktzahlungen, KULAP) in Einklang gebracht werden, um eine bessere Wirkung erreichen zu können. In der ersten Bewirtschaftungsperiode 2009 – 2015 waren 18 Wasserberater/innen zur Unterstützung der Landwirte bei der Umsetzung der WRRL tätig. 2017 wurde die Beratungskapazität auf 37 speziell geschulte Wasserberater/innen ausgebaut. Sie informieren vor Ort an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) über die regionalspezifischen Gewässerqualitäten, gezielte acker- und pflanzenbauliche Gewässerschutzmaßnahmen sowie deren betriebsbezogene Optimierung. Im Jahr 2017 erreichten die Wasserberater/innen in ca. 1 100 Einzelberatungen und 480 Gruppenberatungen über 33 000 Landwirte und stellten in 221 Felderbegehungen vor ca. 7 150 Landwirten Maßnahmen zum Gewässerschutz in der Praxis vor.

Insgesamt sind in Bayern an 503 OWK landwirtschaftliche Maßnahmen wie die Anlage von Gewässerrandstreifen geplant. An 93 von 257 Grundwasserkörpern sind landwirtschaftliche Maßnahmen im Bereich Nitrat vorgesehen. An 20 GWK wird die Beratung zum „gewässerschonenden Pflanzenschutzmitteleinsatz“ intensiviert.

Der Gewässerschutz stellt auch für den amtlichen Pflanzenschutzdienst einen wichtigen Arbeitsschwerpunkt dar. In Zusammenarbeit mit den Verbundberatungspartnern werden regelmäßig Beratungsunterlagen erstellt und Informationsveranstaltungen durchgeführt. Ziel ist die Aufklärung der Landwirte über relevante Anwendungsbestimmungen und Auflagen zum Schutz von Oberflächengewässern und Grundwasser bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, genauso wie über die technischen Neuerungen bei abdriftmindernden Düsen, Möglichkeiten der Spritzenreinigung bereits auf dem Feld oder das PAMIRA-Rücknahmesystem des Handels für leere Pflanzenschutzmittelverpackungen. Darüber hinaus wird im Rahmen des Pflanzenschutz-Kontrollprogrammes auch die Einhaltung der fachrechtlichen Vorschriften, etwa die Einhaltung von Mindestabständen zu Gewässern, regelmäßig kontrolliert.

Im Rahmen der Initiative boden:ständig zum Boden- und Gewässerschutz setzt die Verwaltung für Ländliche Entwicklung auf eine enge Partnerschaft von Landwirten, Gemeinden und Fachverwaltungen. Zentrales Anliegen der Initiative ist es, die Erosion und den Eintrag diffuser Nährstoffe in die Bäche mittels erosionsvermindernder Bewirtschaftungsmethoden und Maßnahmen zum Wasser-, Boden- und Nährstoffrückhalt in der Flur auf privaten und kommunalen Flächen zu verringern. Kernelement ist das Prinzip der Freiwilligkeit. Bis Ende 2017 wurden boden:ständig-Projekte bereits in 52 ausgewählten Gebieten Bayerns gestartet.

Fördermaßnahmen zum Gewässerschutz

Seit 2015 werden mit dem Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) bisherige Maßnahmen zum Gewässerschutz fortgeführt und durch weitere zielgerichtete Maßnahmen ergänzt. Die effektivsten Wirkungen hinsichtlich des Schutzes von Oberflächengewässern und Grundwasser werden im Bereich der Landwirtschaft von folgenden Maßnahmen erwartet:

  • Bewirtschaftung nach Kriterien des ökologischen Landbaus,
  • extensive Grünlandnutzung in wasserwirtschaftlich sensiblen Gebieten,
  • Gewässer- und Erosionsschutzstreifen,
  • Winterbegrünung mit Zwischenfrüchten und mit Wildsaaten,
  • Mulch-/Streifen-/Direktsaatverfahren bei Reihenkulturen,
  • Verzicht auf Intensivfrüchte in wasserwirtschaftlich sensiblen Gebieten,
  • Umwandlung von Acker in Grünland,
  • Stilllegung mit gezielter Begrünung oder Blühflächen,
  • Ausbringung flüssiger Wirtschaftsdünger durch Injektions- und Schleppschuhverfahren sowie
  • dauerhafte Anlage von Struktur- und Landschaftselementen als Pufferflächen.

Bis Ende 2017 wurden auf rd. 440 000 ha LF Maßnahmen des KULAP zum Gewässerschutz durchgeführt.

Die Greening-Verpflichtungen hinsichtlich der Bereitstellung von ökologischen Vorrangflächen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik können von den Landwirten u. a. auch in Form von gewässerschonenden Maßnahmen erfüllt werden. Neben den o. g. Maßnahmen des KULAP haben die Landwirte über das Greening durch Wahl geeigneter Maßnahmen im Jahr 2017 auf zusätzlich rd. 190 000 ha einen Beitrag zum Gewässerschutz geleistet.

Wasserschutzgebiete

Zur Verringerung möglicher Gefährdungen für das Trinkwasser, z. B. bei der Lagerung wassergefährdender Stoffe, bei Verkehrsunfällen, durch Abwasserbehandlungsanlagen oder auch durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Mineraldüngern und Wirtschaftsdüngern ist eine Festsetzung von Wasserschutzgebieten durch den Staat auch künftig unerlässlich. Wasserschutzgebiete sind Instrumente der Vorsorge, die gutes Trinkwasser nachhaltig auch für kommende Generationen schützen sollen. Die Wasserschutzgebiete beschränken sich in Bayern im Wesentlichen auf die besonders empfindlichen Bereiche des Grundwassereinzugsgebietes der jeweiligen Trinkwassergewinnungsanlage. Bayern hat deshalb mit ca. 4,8 % einen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt sehr kleinen Anteil von Wasserschutzgebieten an der Landesfläche.

Freiwillige Vereinbarungen mit Grundstücksbesitzern oder Landwirten können Wasserschutzgebiete insgesamt nicht ersetzen, aber eine Alternative oder Ergänzung zu bestimmten Schutzanordnungen im Bereich der Landwirtschaft sein.

Die Beschaffenheit des Grundwassers als wichtigste Trinkwasserressource in Bayern ist weitgehend sehr gut. Ca. 90 % des Trinkwassers stammen in Bayern aus Grund- und Quellwasser. Probleme mit der Einhaltung von Trinkwassergrenzwerten gibt es in einigen Trinkwassereinzugsgebieten durch Nitrat und Pflanzenschutzmittelrückstände. Hier ist eine noch grundwasserschonendere Landbewirtschaftung in der Fläche notwendig.