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http://www.agrarbericht-2018.bayern.de/landwirtschaft-laendliche-entwicklung/forschung-und-innovation.html

Forschung und Innovation

Forschung und Innovation sind wichtige Schlüsselthemen für Bayerns Zukunft. Sie liefern unverzichtbare Entscheidungsgrundlagen, Handlungsstrategien und Problemlösungen. Dabei müssen sie nachhaltig und wirksam sowie transparent und glaubwürdig sein.

Eine Stärkung der Innovationskraft der Landwirtschaft ist strategisches Leitziel bayerischer Agrarpolitik. Es gibt viele Ideen, die zur Steigerung der Ressourceneffizienz und des Tierwohls, zur Verbesserung der Vermarktung und des Marketings sowie zur Steigerung des ökonomischen Outputs vorhanden sind, die aber nur umgesetzt werden können, wenn das mit Innovationen verbundene höhere Risiko über spezifische Fördermaßnahmen abgemildert wird. U. a. durch die Ausgestaltung der Europäischen Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-Agri) sollen auch in Bayern eine entsprechende Innovations-Infrastruktur und gezielte Fördermaßnahmen aufgebaut und so ein innovationsfreundliches Klima geschaffen werden. Insgesamt stehen in dieser Finanzierungsperiode für EIP-Agri 7 Mio. € zur Verfügung.

Angewandte Forschung

Aufträge für Projekte im Bereich der angewandten Forschung werden durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) an Landesanstalten, Universitäten und andere Forschungseinrichtungen vergeben. Im Berichtszeitraum wurden insgesamt 23,16 Mio. € für neue Forschungsvorhaben bewilligt. Die Forschungsthemen sind den folgenden Bereichen zuzuordnen:

Landwirtschaftliche Produktion und Ernährung (inkl. Garten- und Weinbau)

In Projekte der pflanzlichen und tierischen Produktion und im Bereich Ernährung wurden in den Jahren 2016 und 2017 Mittel in Höhe von insgesamt 8,3 Mio. € investiert. Damit wurden zum Beispiel folgende praxisrelevante Projekte gefördert:

  • Untersuchung unterschiedlicher Methoden zum mechanischen Abtöten von Zwischenfrüchten zur Reduzierung des Einsatzes von Totalherbiziden
  • Entwicklung eines multiplexen digitalen Verfahrens für die Kartoffelknollentestung auf Viren und Pathogene der Schwarzbeinigkeit und bakteriellen Welke
  • Entwicklung von neuen Belichtungsstrategien mit moderner LED-Technik zur Produktion von rückstandsfreien Zierpflanzen, Gemüsejungpflanzen und Kräutern
  • Frühwarnsystem für exotische Bienenschädlinge in Bayern, den Kleinen Beutenkäfer und die Asiatische Hornisse.

Initiative zur Verbesserung des Tierwohls

Für Forschungsprojekte zur Verbesserung des Tierwohls in bayerischen Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltungen wurden in den Jahren 2016 und 2017 insgesamt 1,2 Mio. € bewilligt. Projekte zur Verbesserung des Tierwohls sind z. B.:

  • Untersuchungen zur Verbesserung der tiergerechten Haltung von Schweinen: Alternative Stallungen für Mastschweine, Aufzuchtferkel und Besamungssauen sowie Bewegungsbuchten bei säugenden Sauen
  • Weiterentwicklung der Analyse von Aktivitäts- und Leistungsdaten zur Früherkennung von Klauenerkrankungen bei Milchkühen in Praxisbetrieben.

Landesprogramm BioRegio 2020/Ökologischer Landbau

Durch Forschungsansätze im Rahmen des Landesprogramms BioRegio 2020 soll der Ökolandbau in Bayern zusätzliche Impulse erhalten. Insgesamt wurden in den Jahren 2016 und 2017 für Projekte des Ökolandbaus rd. 760.000 € ausgegeben, so z. B. zur

  • Verbesserung des Pflanzenschutzes im ökologischen Süßkirschenanbau zur Qualitäts- und Ertragssicherung
  • Analyse der Märkte für ausgewählte Öko-Produkte in Bayern – Entwicklung und Potential des Öko-Milchmarktes sowie der Märkte für weitere ökologische Erzeugnisse
  • Beikrautregulierung in Ökobetrieben mit Gemüsekulturen unter besonderer Betrachtung von moderner RTK (Real-Time-Kinematic)-Steuerungs-, Ultraschall- und Kameratechnik.

Initiative „Heimische Eiweißfuttermittel“

Hier wurden im Berichtszeitraum Forschungsprojekte in Höhe von 600.000 € bewilligt, z. B.:

  • Entwicklung und Etablierung markergestützer Kreuzungspläne zur gezielten Kombination von Genbankmaterial und hochwertigem Zuchtmaterial anderer geographischer Herkünfte zur Weiterentwicklung heimischer Sojapflanzen
  • Keimen von Getreide und Leguminosen zur Verbesserung der Eiweißverfügbarkeit heimischer Futtermittel in der ökologischen Geflügelmast-Entwicklung von Fütterungsverfahren und ihre Umsetzung in der Praxis.

Digitalisierung

Hier wurden in den Jahren 2016 und 2017 Projekte in Höhe von 2,3 Mio. € bewilligt, z. B.:

  • Architektur eines unabhängigen Expertennetzes für die Landwirtschaft für das Zeitalter der Digitalisierung – FarmExpert V4.0
  • Digitale Integration der Produktionsdaten eines Betriebes – Beispiel Rinderhaltung.

Erzeugung nachwachsender Rohstoffe und Anbau von alternativen Energiepflanzen

Die Energiegewinnung aus und die stoffliche Nutzung von Biomasse haben weiter an Bedeutung gewonnen. Für Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsvorhaben zur Erzeugung nachwachsender Rohstoffe und den Anbau von alternativen Energiepflanzen wurden in den Jahren 2016 und 2017 Projektzusagen in Höhe von rd. 7,4 Mio. € erteilt. Beispielhaft sind hierfür folgende Forschungsprojekte:

  • Qualitätssicherungsmaßnahmen zur Verringerung der mineralischen Verschmutzung und zur Verbesserung der Verbrennung von Holzbrennstoffen (Quasi-Holz)
  • Dauerkulturen II; Ertragsstabilität, Etablierung und Umweltparameter mehrjähriger Energiepflanzen
  • Winterbiene; Verbesserung des Nahrungsangebots für Honigbienen und andere blütenbesuchende Insekten durch attraktive, langblühende Präriestaudenmischungen zur Energiegewinnung
  • Silphie-Anbau im Projektgebiet "Nördliche Frankenalb".

Wald und Forstwirtschaft

Ein inhaltlicher Schwerpunkt der forstlichen Forschungsförderung in den letzten Jahren war die Anpassung der Wälder an den Klimawandel und die integrative Waldbewirtschaftung. Diese Themenkomplexe werden auch zukünftig von großer Bedeutung bei der Auswahl der Projekte sein. Darüber hinaus werden Forschungsprojekte u. a. aus den Themenbereichen Waldzustand/Umweltmonitoring, Waldnaturschutz, Waldschutz, Waldbau, Forstvermehrungsgut, Forstpolitik, Jagd /Wildtiermanagement, Forsttechnik, forstliche Fernerkundung und Klimaschutz/ Holzverwendung gefördert.

Im Berichtszeitraum wurden neu gestartete Forschungsvorhaben mit etwa 2,6 Mio. € gefördert. Darunter bspw. folgende Forschungsprojekte:

  • Anbaurisiko im Klimawandel als forstliche Beratungsgrundlage zur Anpassung der bayerischen Wälder
  • Herkunftsforschung zur Eignung von Baumarten unter zukünftigen klimatischen Bedingungen
  • Optimierung von Methoden zur frühzeitigen Erkennung von Borkenkäferschäden auf Basis von Fernerkundungsdaten
  • BeechConnect – Optimierte Materialnutzung von Laubholz unter Verwendung moderner Verbindungskonzepte
  • Management von Artenvielfalt in der integrativen Waldbewirtschaftung.

Klimawandel und Klimaschutz

Von den insgesamt 23,16 Mio. € wurden alleine für Projekte zur Erforschung der Folgen des Klimawandels sowie zur Verbesserung des Klimaschutzes in der Land- und Forstwirtschaft 6,5 Mio. € ausgegeben. Beispielhaft seien hier genannt:

  • Entwicklung regional angepasster Luzerne-Rohrschwingel-Mischungen für Nordbayern
  • Drohnenbasierte Thermometrie-Messungen zur automatisierten Trockenstressbestimmung bei Vitis vinifera (Weinrebe) für das großflächige Bewässerungsmanagement der fränkischen Weinbergslagen
  • Seltene heimische Baumarten und nicht-heimische Baumarten im Klimawandel: Nischenmodelle für die Bestimmung des Anbaurisikos zur Implementierung im Bayerischen Standortinformationssystem BaSIS
  • Regionalspezifische Treibhausgasemissionen der Rapserzeugung in Bayern.