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Anpassungsstrategien an den Klimawandel

Die Bayerische Klima-Anpassungsstrategie (BayKlAS) aus dem Jahr 2009 wurde aktualisiert und weiterentwickelt, um die klimasensitiven und verwundbaren Bereiche in Wirtschaft, Landwirtschaft, Gesellschaft, Infrastruktur und Natur Bayerns bestmöglich an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

Die Landwirtschaft ist im besonderen Maße vom Klimawandel und seinen Auswirkungen betroffen. Viele Experten erwarten für Bayern langfristig nicht nur einen Anstieg der mittleren Temperaturen, sondern vor allem auch extreme Wetterlagen. Mit folgenden Auswirkungen ist verstärkt zu rechnen:

  • Trockenschäden durch veränderte Niederschlagsmengen und -verteilung,
  • Temperatur- und Strahlungsschäden, z. B. „Sonnenbrandflecken“ bei Getreide und Obst,
  • Kälteschäden durch vermehrte und stärkere Kahlfrostereignisse,
  • Ausbreitung von bisher bei uns weniger bekannten oder neu auftretenden Pflanzenschädlingen und -krankheiten, z. B. Maiszünsler, Kirschessigfliege,
  • schlechte Nährstoffverfügbarkeit durch Wassermangel,
  • Zunahme von mit Insekten übertragenen Krankheitserregern, z. B. die von Mücken übertragene Blauzungenkrankheit oder das Schmallenberg-Virus bei Schafen, Ziegen und Rindern sowie
  • verminderte Leistungsfähigkeit der Nutztiere während längerer Hitzeperioden.

Ziel der bayerischen Landwirtschaftsverwaltung ist es, Anpassungsstrategien an den Klimawandel weiterzuentwickeln und die Forschung ergänzend zu intensivieren. Die Bayerische Landesanstalten für Landwirtschaft (LfL) sowie für Weinbau und Gartenbau (LWG) forschen u. a. an der Züchtung leistungsfähiger, klimaangepasster, stresstoleranter und krankheitsresistenter Kulturpflanzen (Weizen, Gerste, Hafer, Kartoffeln, Mais, Futtergräser, Klee, Luzerne, Sojabohnen, Lupinen, Heilpflanzen, Hopfen). Eine besondere Rolle spielen bei der Züchtung die Erhaltung und Nutzung der genetischen Vielfalt bei Nutzpflanzen und die Erfassung der Wechselwirkung zwischen Pflanze und Klima.

Wasser als zunehmend knappes Gut und limitierender Produktionsfaktor wurde verstärkt in den Fokus der Forschung gerückt. Neben der Ertragssicherung kann durch Bewässerung auch positiv Einfluss auf die Qualität der Erzeugnisse genommen werden. Wasserspeicherung und sparsame Bewässerungstechnik ist teuer in der Anschaffung und aufwändig in der Handhabung. Deshalb ist es für einen erfolgreichen Einsatz entscheidend, diese Technik möglichst effizient zu nutzen. Durch Forschungsprojekte zur Optimierung von wassersparenden Bewässerungsverfahren (Tropfbewässerung, bedarfsgerechte Bewässerungssteuerung) und Bereitstellung notwendiger Infrastruktur wie Brunnen, intelligente Wasserspeicher, Pumpen und Leitungen sollen v. a. im Garten- und Weinbau sowie im Kartoffelanbau ressourcenschonende Praxisanwendungen für individuelle, kleinräumige und standortangepasste Bewässerungskonzepte getestet werden. Hierfür wurde die Pilotanlage zur „Dezentralen Bewässerung von fränkischen Weinlagen“ am Thüngersheimer Scharlachberg, einer Weinbergslage der LWG in Betrieb genommen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung von Produktionstechnik und Pflanzenbausystemen, v. a. bei Regelfahrspurverfahren und Streifenbearbeitung. Im Bereich Düngung werden Strategien zur besseren Nährstoffversorgung auch in Trockenlagen untersucht. Das sich ändernde Klima verlangt auch weiterführende Forschungsarbeiten zur Schadensminderung bei Spätfrösten im Wein- und Obstbau.

In der Tierhaltung werden Stallsysteme und -einrichtungen verglichen, um bspw. Hitzestress zu vermeiden (z. B. Kuhdusche).